Wie schädlich ist Rapsöl – Frag nach bei TikTok?

Wie schädlich ist Rapsöl – Frag nach bei TikTok?

In sozialen Medien kursieren derzeit wilde Behauptungen über die angebliche Gefährlichkeit von Rapsöl. Zwischen Panikmache und Halbwahrheiten bleibt die Frage: Was sagt die Wissenschaft – und was sagt das über unsere Informationskultur? Wer sich in den vergangenen Wochen durch TikTok-Videos, Instagram-Reels oder WhatsApp-Gruppen gescrollt hat, stößt unweigerlich auf alarmierende Warnungen: Rapsöl, so heißt es, sei eine „stille Gefahr“ für die Gesundheit und wird als Auslöser der verschiedensten Erkrankungen verdächtigt – von Entzündungen über Fettleber und Depressionen bis hin zu Krebs. Die Quellen? Influencer, die ihre Reichweite mit vermeintlich exklusivem Gesundheitswissen spicken – wissenschaftlich fundiert ist daran wenig.

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Man mag Rapsöl aus kulinarischen Gründen verschmähen – das darf jedoch kein Maßstab für die sachliche Beurteilung und Bewertung sein. In einem für Ernährungsprofis unbedingt lesenswerten  Artikel  hat die ZEIT-Autorin Claudia Vallentin die kursierenden Behauptungen überprüft – und kommt zu dem nüchternen Fazit: Für die meisten Menschen ist Rapsöl ein ganz normales Speiseöl, weder Wundermittel noch Gift. Sein hoher Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren macht es dabei zu einer empfehlenswerten Alternative in der Alltagsküche.Die Debatte um Rapsöl zeigt einmal mehr, wie stark unser Ernährungswissen inzwischen von sozialen Medien geprägt wird – und wie schwer sich wissenschaftlich basierte Informationen in dieser Kakophonie durchsetzen. Während Ernährungsfachleute um Nuancen ringen, verbreiten Influencer einfache Wahrheiten, die massentauglich sind.

Die Angstkampagnen in den sozialen Medien folgen einem Muster: Was Aufmerksamkeit erzeugt, wird geteilt – egal, ob es stimmt oder nicht. Rapsöl ist nicht das erste Lebensmittel, das so zum vermeintlichen Gesundheitsrisiko stilisiert wird. Zuvor standen Milch, Gluten oder Zucker im Fokus. Die Dynamik ist immer die gleiche: Ein komplexes Thema wird auf einfache Schlagworte reduziert, die Empörung verkauft sich besser als Differenzierung. AmEnde ist die größte Gefahr nicht das Öl im Salat oder der Pfanne – sondern der Unsinn, der sich in TikTok-Videos und WhatsApp-Kettenbriefen verbreitet. Wer sich informieren will, tut gut daran, seriöse Quellen zu suchen und zu nutzen, statt TikTok zum Ernährungsberater zu machen.

Dr. Friedhelm Mühleib

Foto: muehleib